
Die großartige und monumentale Via della Conciliazione gilt nach Meinung vieler als die schönste Strasse Roms. Ihre symbolisch auf den Petersplatz zeigende Perspektive ist eindrucksvoll und vermittelt dem Besucher angesichts des Herzens der Ewigen Stadt zeitlose Emotionen. Piazza S. Pietro, der Petersplatz, ist die Kulisse der Auftritte des Papstes, ein majestätischer Rau, umschlossen von den Kolonnaden, die von Gian Lorenzo Bernini geschaffen wurden. Zur Zeit der der alten Basilika erhoben sich hier Kirchen und Oratorien. Der ellipsenfoermige Platz entstand 1656-1667 mit einer vierfachen Säulenreihe – insgesamt 284 Säulen und 88 Pfeiler, die zu den Brennpunkten hin konvergieren. Stellt man sich dort auf, erscheinen die Säulen jeder Säulenreihe perfekt hinter der ersten Reihe angeordnet. Auch viele der Wachsmodelle, die für die auf den Säulengängen thronenden 140 Heiligenstatuen dienten, stammen von Bernini. Die Aufstellung des Vatikanischen Obelisken im Zentrum des Platzes war kein leichtes Unterfangen, doch Papst Sixtus V. wünschte es und so machte sich Dominco Fontana an die Arbeit. Man bediente sich der traditionellen Seile und begann in Grabesstille den Obelisken hochzuziehen, den Caligula im Jahre 37 aus Alexandrien in Ägypten nach Rom gebracht hatte, um damit den Zirkus, später Zirkus des Nero genannt, zu schmücken. Die vom Papst angeordnete Stille wurde unvermittelt von einem gewissen Bresca unterbrochen, der bemerkt hatte, dass einige Zugseile überhitzt waren: Durch seinen Ruf „Wasser auf die Seile“ verhinderte er, dass der Monolith umstürzte. Als Gegengabe erhielt er von dem dankbaren Papst das Monopol, zu Ostern Palmen für den Vatikan liefern zu dürfen. Die Bronzeloewen verdankt man Prospero Antichi, während die Springbrunnen seitlich des Obelisken von Carlo Maderno und Carlo Fontana. Die Basilica di S. Pietro, die Peterskirche, das majestätische und feierliche Herz des Papstturms und der Christenheit, ist die erste und bedeutendste Kirche der sog. Stadt der „Hundert Kirchen“: Um dem Besucher die Proportionen klarzumachen, können Zahlen behilflich sein. Mit einer Gesamtfläche von 22.067 qm ist sie weltweit die groessete Kirche. Beeindruckend sind insbesondere die Höhe des Gebäudes, 136 m von der Erde bis zum Kreuz auf der Spitze der Kuppel von Michelangelo, sowie der Durchmesser der Kuppel selbst (42 m), ebenso wie die Entstehung des heutigen Sakralbaus bewirkt haben und bis auf die Anfänge der Christenheit zurückgehen. Die erste Basilika wurde unter Kaiser Konstantin um 320 begonnen, 326 von Papst Silvester I. geweiht und 349 vollendet. Mitte des 15. Jahrhunderts erteilte Papst Nikolaus V. dem Baumeister Bernardo Rossellino den Auftrag zur radikalen Erneuerung, doch die Bauarbeiten begannen erst wirklich 1506 unter Papst Julius II., der Bramante als Baumeister wählte. Diesem folgten weitere Architekten, die abwechselnd einen Grundriss auf griechischem (Bramante selbst, Baldasare PEruzzi und Michelangelo) oder auf lateinischem Kreuz (Raffael und Antonio da Sangall d.J.) vorschlugen. Die Frage wurde schließlich von Paul V. beigelegt, der sich für ein lateinisches Kreuz entschied: Mit der Verlängerung der Basilika wurde Carlo Maderno betraut, der sie 1614 vollendete. Die Kirche wurde am 18. November 1626, dem 1300. Jahrestag seit der ersten Weihung, von Papst Urban VIII. für Gottesdienste eröffnet. Gian Lorenzo Bernini, der Nachfolger von Maderno, wollte die Fassade mit zwei grossen Glockentürmen vervollständigen, doch es kam nicht dazu. Was den Außenbereich anbelangt, entwarf Gian Lorenzo Bernini die breite Eingangstreppe. An ihrer Seite erheben sich zwei große Statuen, der hl. Petrus und der hl. Paulus, die die Fassade von Carlo Maderno einläuten. Diese wird von einem Tympanon gekrönt und weist acht Säulen mit Seitenpfeilern auf. Im unteren Bereich öffnet sich sie Vorhalle, mit einem Säulengang an jeder Seite. Eine Brüstung mit 13 Statuen – der Erlöser mit den Aposteln, außer Petrus, sowie Johannes der Täufer – schmückt den oberen Fassadenbereich, der neun Loggien aufweist: Von der zentralen Loggia aus erteilt der Papst seinen Segen (daher Segensloggia) und von hier aus wird auch die neue Papstwahl verkündet. Michelangelo erlebte die Vollendung seiner Kuppel leider nicht mehr, denn er starb, als der Bau den Tambour erreicht hatte. Die durch Gewölberippen in 16 Segmente unterteilte zweischalige Kuppel wurde deshalb von Giacomo Della Porta und Domenico Fontana (1588-89) fertig gestellt. Vignola fügte hingegen die beiden Seitenkuppeln hinzu, die eine rein dekorative Funktion erfüllen. In der Vorhalle erhebt sich, abgesehen von der Verbindungstuer zum Vestibül der Scala Regia, der Koenigstreppe, das Reiterstandbild Konstantins. Über der Porta Santa, der Heiligen Pforte, die nur während eines Heiligen Jahres geöffnet wird, befindet sich das Epigraf mit der Bulle von Bonifaz VIII., der das erste Jubiläumsjahr (1300) ausrief.